Die Faszination Focke Wulf Ta 152 - vom Original zum Nachbau 
- der letzte echte Höhenjäger

                           Neuhausen bei Cottbus          Feldflughafen 




Koordinaten:       51° 41' 00" N

                  

                                                                          

                               14° 25' 30" E                                             Höhe: 91 m




Örtliche Lage und Bezugspunkte:


10 km südostwärts von COTTBUS und 400 m nordostwärts von NEUHAUSEN, unmittelbar ostwärts der Eisenbahnstrecke COTTBUS / GÖRLITZ. Der Fluß LAUSITZER NEISSE, der 16 km ostsüdostwärts von Süden nach Norden durch FORST fließt, sollte einen guten Orientierungspunkt abgeben.


Hindernisse:
Wälder an allen Seiten. Nordwesten: Flugplatzgebäude.




Messtischblatt  Jürgen Zapf


Neuhausen bei Cottbus: Auf dem alten Messtischblatt ist der Bereich des Feldflugplatzes eingezeichnet


Ausmaße:
1.000 m Nordwest / Südost. 900 m Nordost / Südwest. Eine Rollfeldgröße von 900 X 400m in Richtung Westnordwest / Ostsüdost ist vorhanden. Annähernd ovale Form.


Oberfläche:
Gras. Als Untergrund wird Lehm gemeldet und die Oberfläche soll nach Regen sehr schlammig werden.
Startbahnen: keine (08.04.1944)


Anlagen:
(b) Wasser: vorhanden
(d) Flugzeughallen und Werkstätten:
Außerhalb des Nordwestrandes: 1 kleine Flugzeughalle und 1 kleine transportable Flugzeughalle. Einige wenige Werkstätten außerhalb des Nordwestrandes und eine außerhalb des Südwestrandes.
(e) Munition:
MG-Justierstand außerhalb des Nordostrandes. Lager nördlich des MG-Justierstandes.
(g) Unterbringung:
Ein kleine Gruppe von Unterkunftsgebäuden außerhalb des Nordrandes. Barackenartige Gebäude im Dorf NEUHAUSEN könnten zur Unterbringung von Personal benutzt werden.
Auflockerung: keine vorbereiteten Auflockerungsmöglichkeiten vorhanden.
Verkehrsverbindungen:
(a) Straße: Nebenstraßen nach NEUHAUSEN.
(b) Bahn:
Die Bahnstrecke COTTBUS / GÖRLITZ bildet die Westgrenze. Der Bahnhof NEUHAUSEN steht außerhalb der Nordwestecke.


Geschichte:

nachdem der bis dahin zivil genutzte Flugplatz Cottbus-Nord bereits 1933 von der Luftwaffe übernommen wurde, um den Ausbau zu einem Luftwaffenstützpunkt zu ermöglichen, bemühte sich der Magistrat der Stadt um den Erwerb eines neuen Geländes für einen Ersatzflughafen. Im Jahr 1935 wurden daher umfangreiche Flächen südlich von Cottbus bei Neuhausen angekauft. Ein Jahr später, 1936, begannen Planungen zur Einrichtung eines Verkehrslandeplatzes, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Stattdessen ging das Areal ab 1938/39 ebenfalls in den Besitz der Luftwaffe um es anschließend als Feldflugplatz nutzen zu können. Am nordwestlichen Rand des Geländes entstanden zwei kleinere Flugzeughallen – darunter eine verlegbare – sowie mehrere Werkstattgebäude und Unterkunftsbaracken. Zwischen September 1939 und September 1944 nutzte die Flugzeugführerschule A/B 3 aus Guben den Platz. Zusätzlich war von November 1939 bis August 1942 die Schule des Fluganwärterregiments 82 aus Cottbus dort stationiert. Auch die Ergänzungsgruppe des Jagdgeschwaders 52 soll sich zeitweise auf dem Gelände aufgehalten haben, was aber durch andre Quellen nicht bestätigt ist. Mit der Nutzung des Fliegerhorstes Cottbus-Nord durch die Focke-Wulf-Werke wurde auch der Feldflugplatz Neuhausen ab etwa 1944 mit in den Flugbetrieb eingebunden. Vor allem die in Cottbus montierte Flugzeuge wie die Focke-Wulf Fw 190 und das Nachfolgemodell der Höhenjäger Ta 152 H, die per Bahn angeliefert wurden, um dann in Neuhausen eingeflogen zu werden. Noch bis heute befindet sich im östlichen Bereich des Platzes ein Schießstand, wo die Bordwaffen justiert und eingeschossen worden sind. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Feldflugplatz am 23. Januar 1945 durch Einsatzverbänden belegt. Der Stab des Jagdgeschwaders 4, welcher vom Rhein-Main-Flughafen Frankfurt am Main nach Neuhausen verlegt wurde, um von dort aus die Einsätze gegen die in Schlesien vorrückende Rote Armee zu koordinieren, sowie noch am selben Tag, die schwere sogenannte Sturmgruppe – mit ihren stark gepanzerten Focke-Wulf Fw 190 A-8 die von Babenhausen ein kam. Die Sturmgruppe verließ bereits am 9. Februar 1945 wieder den Platz während der der Stab des Jagdgeschwaders 4 noch bis zu 15. Februar noch vor Ort blieb. Danach ist keine weitere Nutzung des Flugplatzes belegt.


Zwei Tage im Januar 1945 war der Feldflugplatzes von besonderer Bedeutung für die Focke-Wulf Ta 152 H, zum einem der 27.1.1945, als die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 301, die ersten zwölf Ta 152 H übernahm, bestätigt und dokumentiert durch das Flugbuch von Ofw. Willi Reschke.


Ein besonderer Tag war der 16.1.1945 .

An diesem Tag fand ein Tiefangriff auf den Feldflughafen Neuhausen bei Cottbus statt. Bei diesem US Luftwaffen angriff mit ca. 10 Maschinen wurden am Boden, 14 Focke-Wulf Ta 152, 1 Focke-Wulf Fw 190, und 1 Ta 152 ca. 30 Prozent zerstört.  


Am 20. April 1945, wurde das Gelände von der Roten Armee eingenommen und bereits zwei Tage danach bis in den Mai hinein von verschiedenen sowjetischen Jagdfliegereinheiten als Frontflugplatz genutzt. In den Jahren 1947/48 wurden die noch vorhandenen Gebäude demontiert oder gesprengt.


Erläuterung: „Airfield Schedule“

Die Nachrichtendienste insbesondere der Briten und der Amerikaner begannen schon früh, für einen eventuellen Kriegsfall Informationen über alle möglichen Ziele zusammenzutragen. In den Jahren 1943 bis 1945 wurden dann die über Flugplätze gewonnen Erkenntnisse in den sogenannten „Airfield Schedule“ abgelegt. Für das Gebiet des Deutschen Reiches wurden drei Bände angelegt „Nordwestdeutschland“, „Nordostdeutschland“ und „Süddeutschland“. Jeder Band hatte vier Kapitel: „Flugplätze und Landeplätze“, „Notlandeplätze“, ehemalige „Flugplätze und Scheinflugplätze“. Die einzelnen Blätter waren je Kapital nach einem gleichen Schema aufgebaut, wo keine Erkenntnisse vorlagen, da wurde der entsprechende Absatzes des Blattes nicht aus gefüllt. Die einzelnen Blätter waren alle SECRET, also GEHEIM eingestuft. Sie durften auch zum Schutz der gewonnenen Erkenntnisse nicht auf Einsatzflüge mit genommen werden. Inzwischen sind die einzelnen Blätter natürlich alle auf UNCLASSIFIED also OFFEN, herabgestuft worden und können daher hier wieder gegeben werden.    



Quelle: Jürgen Zapf Flugplätze der Luftwaffe 1934-1945 -und was davon übrig blieb Band 1 Berlin & Brandenburg ISBN 3-925480-52-8